Mein Berufsethos

Über den Berufsethos in der Astrologie etwas zu sagen, bedeutet in heutigen Zeiten leider, sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Obskure Angebote halbseidener „Astrologen“ (die oft nicht einmal Horoskope deuten!) überschwemmen den Markt und sorgen dafür, dass wir in mittelalterliche Zeiten zurückfallen. Da mag es wenig trösten, dass es rückschrittliche Tendenzen auch in anderen Bereichen gibt, z.B. im gesellschaftlichen Verständnis von Recht und Gesetz. (Waren wir im vergangenen Jahrhundert bereits soweit, Straftäter resozialisieren zu wollen, sind wir heute wieder damit zufrieden, sie möglichst lange einfach wegzusperren.)

Thomas Ring revidierte die mittelalterliche Astrologie zu Recht und begründete unwiderlegt, warum es Unsinn ist, mehr aus einem Horoskop als eine Struktur von Wesensmerkmalen herauslesen zu wollen. Er definierte Aussagegrenzen, deren Missachtung einem fahrlässigen Umgang mit dem Klienten gleichkommt. Ungeachtet dessen geben sich immer mehr Berater dafür her, Schicksalsgläubigen schnelle Ratschläge zu erteilen. Diese Art der Beeinflussung des Denkens und Handelns der Beratenen kann nur als schädlich bezeichnet werden, weil sie eine Einschränkung der persönlichen Freiheit bedeutet.

Vielmehr sollten der Sinn und Zweck einer astrologischen Beratung darin bestehen, den Freiheitsgrad des Klienten zu erhöhen, indem er sich unerkannte Abhängigkeiten aus der Vergangenheit bewusst macht, sie lockert und eingefahrene Verhaltensweisen durchschaut; so schafft er eine Basis für neue Erfahrungen.

Die Art, wie ich Astrologie verstehe und betreibe, ist maßgeblich von Dr. Peter Niehenke geprägt worden. Als mein Ausbilder und Mentor sensibilisierte er mich für die Verantwortung, die Astrologen tragen, wenn sie mit Menschen umgehen. „Nicht schaden“ heißt deshalb in meiner Praxis, dass ich astrologische Aussagegrenzen ebenso beachte, wie ich dafür Sorge trage, persönliche Wertungen aus Deutung und Beratung herauszuhalten. Es gibt keine guten und schlechten Geburtsbilder, keiner hat „Pech“ mit seinem Horoskop. Niemals liegt die Widersprüchlichkeit in der Natur selbst, sondern immer nur in der eigenen Betrachtungsweise. Und die lässt sich hinterfragen und aufdecken.

Unter die Aussagegrenze fällt z.B., was ein Mensch erfahren und konkret tun wird. Im Horoskop lässt sich lediglich erkennen, welche Motivation sein Handeln bestimmt, wie er versteht und einordnet, was er erlebt.

Ich bediene mich der Astrologie ausschließlich psychologisch, also zur Charakterisierung von Persönlichkeitsstrukturen. Menschliche Wesenszüge in ihrem komplexen Zusammenspiel  und die ihnen zugrundeliegenden Motive bewusst zu machen, kennzeichnet meine Arbeit.

Willkommen ist mir, wer sich oder seine Beziehung zu anderen Menschen umfassender verstehen will. Private oder berufliche „Knoten“ können der Anlass sein, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Eltern bietet sich die Möglichkeit, tiefer in die Seele ihres Kindes zu blicken, um sich besser einzufühlen. Ängsten lässt sich leichter auf die Spur kommen, und sicherlich würde mancher ewig währende Familienzwist anders wahrgenommen, hätte man ein tieferes Verständnis von seinen Angehörigen.

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Lebensqualität zu verbessern: sich die Astrologie zunutze zu machen, ist eine davon. Wellness ist, nicht auf der oberflächlichen Ebene verstanden, auch für die Seele wichtig, so wie Fitnesstraining und eine gesunde Ernährung für den Körper.